Mit dem Nutri-Score erfolgreich durch den Ernährungsdschungel!?

Seit einigen Tagen hat der so genannte Nutri-Score eine eigene Rechtsgrundlage und ist damit auch in Deutschland offiziell verwendbar. Daher haben wir euch hier die wichtigsten Informationen über den Nutri-Score zusammengetragen.

Was soll der Nutri-Score bringen?

Das Thema Ernährung ist heutzutage bereits unglaublich komplex und scheint teilweise auch durch verschiedene wirtschaftliche Interessen und Produkthersteller in seiner Komplexität weiter aufgeblasen worden zu sein. Hinzu kommt dann noch das Gewissen in Zeiten des Klimawandels, Massentierhaltung und massiver Rodung von Urwäldern bspw. zum Anbau von Sojaplantagen.

Im Supermarkt hat man dann die Wahl aus einer schier unendlichen Vielzahl an gesunden und weniger gesunden Lebensmitteln. Und wir Konsumenten sollen dann entscheiden was wirklich gut für uns und auch noch unsere Umwelt ist. Wir haben festgestellt, dass auch wenn man das Richtige für sich und seine Umwelt tun möchte es enorm schwierig ist sich im Ernährungsdschungel zurecht zu finden.


Einige europäische Länder haben daher bereits eine grundsätzlich gute [und natürlich auch stark vereinfachte] Kennzeichnung eingeführt um Lebensmittel bezüglich ihrer Eignung für eine gesunde Ernährung zu bewerten, den so genannten Nutri-Score. Mithilfe des Nutri-Scores soll auch der immer ungesünderen Ernährung, die zu steigenden Zahlen von Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und andere Krankheiten geführt hat, entgegengewirkt werden.


So sieht der Nutri-Score auf Verpackungen aus, wenn sie mit einem "C" bewertet wurden


Bei der Frage ob ein Lebensmittelprodukt gesund ist oder nicht, soll der Nutri-Score uns Verbraucher also zukünftig unterstützen. Vorab können wir euch verraten, dass der Nutri-Score euch keine Informationen zur Umwelttauglichkeit oder der Herstellung von Produkten gibt, sofern bei der Herstellung nicht bspw. viel raffinierter Zucker oder ähnliche Stoffe zugeführt wurden, die sich ohnehin negativ auf den Score auswirken.


Wie funktioniert der Nutri-Score?


Beim Nutri-Score werden die zu bewertenden Lebensmittel anhand positiver und negativer Nährwertkriterien pro 100 Gramm des jeweiligen Lebensmittels beurteilt.


Positive Nährwertkriterien sind hierbei ein hoher Anteil an Ballaststoffen, Proteinen, Gemüse, Obst und Nüssen. Ein hoher Anteil an Obst, Gemüse und Nüssen wird aber nur dann als positiv bewertet wenn es sich dabei nicht um verarbeitete Lebensmittel handelt [wie bspw. Sirup aus Obst oder ähnliches].


Zu den negativen Kriterien zählen die Menge an Zucker, gesättigten Fetten, die Energiemenge (kcal) und der Salzgehalt.


Jedem dieser Nährwertkriterien werden Punkte zugeordnet:

Ungünstige Nährwertkriterien erhalten jeweils Punkte von null bis zehn,

günstige Nährwerte erhalten jeweils Punkte von null bis minus fünf.


Der Eiweißgehalt wird übrigens nur bei Produkten einbezogen, die entweder Käse sind, höchstens 10 Punkte für ungünstige Nährwerte erhalten haben oder zu mindestens 81 % aus Obst, Gemüse oder Nüssen bestehen.


Nach der Verrechnung ungünstiger und günstiger Nährwerte ergibt sich eine Gesamtpunktzahl zwischen −15 und +40. Anschließend wird er auf der Skala des Nutri-Scores folgendermaßen abgetragen:

Der Nutri-Score ist somit eine gewichtete Kennzahl, die erwiesenermaßen positive und negative Ernährungseigenschaften eines Lebensmittelprodukts so gewichtet, dass mit dem daraus enthaltenen Score eine möglichst genaue und leicht verständliche Einschätzung getroffen wird. Diese soll uns Verbrauchern dabei helfen sich gesünder zu ernähren.


Wo liegen die Grenzen des Nutri-Scores?


Unserer Meinung nach kann der Nutri-Score dabei helfen sich schnell zurechtzufinden und eine Aussage zu treffen ob ein Lebensmittel grundsätzlich eher gesund ist oder eher nicht. Allerdings ist auch der Nutri-Score nicht frei von Kritik. So gehen beispielsweise Konservierungsmittel, Farb- oder Süßstoffe nicht in die Bewertung des Nutri-Score ein. Ebenfalls, wie bereits zu Beginn verraten, gehen auch keinerlei Merkmale der Nachhaltigkeit, wie bspw. Massentierhaltung oder Herkunftsort in den Score ein. Auch der Nutri-Score wird euch somit keine allumfassende Kaufempfehlung geben können wenn ihr euch gesund und auch nachhaltig ernähren wollt. Auch wird der Nutri-Score euch nicht helfen, sich zwischen verschiedenen Äpfelsorten oder verschiedenen unverarbeiteten Lebensmitteln wie Obst und Gemüse zu entscheiden, da der Nutri-Score hierauf nicht sinnvoll anwendbar ist.


Ein weiterer Kritikpunkt am Nutri-Score [zumindest in Deutschland] ist, dass die Angabe des Nutri-Scores auf Lebensmitteln aktuell auf freiwilliger Basis des Herstellers geschieht. Und welcher Süßwarenhersteller will schon seinem Kunden freiwillig auf's Auge drücken, dass seine Lebensmittel ungesund sind. Hier könnte es aber in den kommenden Jahren je nach Akzeptanz des Nutri-Scores durch die Verbraucher immer mehr Hersteller geben, die sich dem Nutri-Score verpflichten oder sogar die Rezeptur ihrer Produkte anpassen um eine bessere Bewertung zu erhalten.


Zusammenfassend ist der Nutri-Score also gut dafür geeignet um einen schnellen Überblick über verarbeitete Lebensmittel und Getränke zu erhalten und so für mehr Transparenz zu sorgen. Wenn ihr besonderes Augenmerk auf Nachhaltigkeit oder Zusatzstoffe wie Konservierungs-mittel oder Süßstoffe legt kann euch der Nutri-Score leider nicht weiterhelfen.




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